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Forschung zu Zeiten von COVID-19

Kresimir Matkovic über seinen Arbeitsalltag während der Corona-Krise

Kresimir Matkovic leitet die Interactive Visualization-Forschungsgruppe des VRVis. Derzeit arbeitet er von Kroatien aus an seinen Projekten.

Auf Einladung von "Der Standard" ließ Kresimir Matkovic,Leiter unserer Interactive Visualization-Forschungsgruppe, seine Erfahrungen während der ersten Pandemie-Wochen Revue passieren. Hier der Text in voller Länge.

Am 12. März reiste ich nach Zagreb, um Fachexperten unseres Unternehmspartners AVL Kroatien zu treffen, da wir gemeinsam eine wissenschaftliche Publikation über die visuelle Analyse von Lärmsimulationen planten. Zusätzlich wollte ich diese Gelegenheit nutzen, um meine kroatische Familie zu besuchen. Alles schien in Ordnung, bis ich die kroatische Grenze erreichte. Bei der Einreise wurde ich angewiesen mich aufgrund der Corona-Bestimmungen in 14-tägige Selbstisolation zu begeben. Bei meiner Familie in Zagreb angekommen, bezog ich ein separates Zimmer und begann meine Isolation: Der Raum wurde mein neuer Lebensmittelpunkt, mein Büro, mein Schlafzimmer, mein Esszimmer. Bereits ab Montag, den 16.März, arbeitete unser gesamtes Forschungszentrum von zu Hause aus. Digitale Kommunikation gehört schon lange zu meiner Routine: Erfolgreiche Forschungsarbeit zeichnet sich schließlich durch Kollaboration und Internationalität aus. Doch nun musste ich auch mit den Kolleginnen und Kollegen, die sonst im Büro nebenan saßen, skypen – eine ungewohnte Situation. Auch unser Firmenpartner AVL in Graz wechselte ins Homeoffice. Meine Vorlesungen an der TU Wien stellte ich auf einen reinen Online-Modus um.

Ich dachte: Was für eine Woche. Alles hat sich verändert. Mein Leben besteht aus einem Zimmer und meine Arbeit hängt nun von einer guten Internetverbindung ab. Und dennoch: Es ging weiter. Ich schrieb an Publikationen, diskutierte Projektvorschläge, entwickelte Prototypen und hielt meine Vorlesung. Alles funktionierte.

Am 22. März weckte mich ein schrecklicher Lärm. Das Haus bebte, der Boden unter meinen Füßen zitterte. Ein Erdbeben der Stärke 5,4 Mw erschütterte Zagreb. Wir verließen das Haus in Panik und harrten draußen in der Kälte aus. Zwei weitere Beben folgten. Die Covid-19-Absperrungen und meine lange Selbstisolation erschienen mir plötzlich fern. Glücklicherweise wurde niemand in meiner Familie verletzt, auch unser Haus überstand das Erdbeben unbeschadet. Bald darauf endete meine 14-tägige Selbstisolation. Ich darf mich nun als „freier Mann“ in mehreren Räumen des Hauses bewegen.

Was hat sich seitdem verändert? Die Skype-Telefonate und Videokonferenzen gehen weiter. Ebenso unsere Forschungsarbeit, die Kollaboration an neuen Veröffentlichungen, das Schreiben von Projektanträgen. Ich habe die erste Prüfung via Skype für einen meiner Studenten geplant und ein Online-Tutorial auf der IEEE-VR-Konferenz gehalten. Diese Konferenz hätte ursprünglich in Atlanta, USA, stattfinden sollen. Bis vor Kurzem wäre es unvorstellbar gewesen, eine solche Konferenz, die üblicherweise tausende Teilnehmer hat, online abzuhalten. Viele Dinge, die man für unmöglich hielt, sind nun möglich. Ich bin mir sicher, dass die Welt anders sein wird, wenn diese Pandemie vorbei ist und ich denke, dass sie sogar in vielen Punkt besser wird.

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